Die Ecke
, plur. die -n, Diminut. das Eckchen, des -s, plur. ut nom.
sing. die scharfe Fläche, welche aus dem Zusammenstoßen der
äußersten Puncte zweyer Linien gebildet wird. 1. Eigentlich, da
dieses Wort so wohl von der äußern scharfen Fläche, als auch von
dem innern Winkel gebraucht wird. 1) Von der äußern scharfen
Fläche. Eine Figur von drey Ecken. Die Ecke des Hauses. Und lauret an
allen Ecken, d. i. der Häuser, Sprichw. 7, 12. Die Ecke eines Waldes. In
etwas weiterer Bedeutung wurden auch Vorgebirge, Landzungen u. s. f. ehedem
Ecken genannt. Von der Ecke an dem Salzmeer, das ist, von der Zungen die gegen
Mittagwärts gehet, Jos. 15, 2. Daher rühren noch viele
eigenthümliche Nahmen, z. B. Saneck, eigentlich ein Vorgebirge an dem
Sanflusse, Mureck u. s. f. 2) Von dem innern Winkel; doch nur in einigen
Fällen des gemeinen Lebens. Sich in eine Ecke verstecken. Der Stock stehet
in der Ecke. Die Ecken des Auges, des Mundes. Ingleichen, ein jeder kleiner
verborgener Ort, ein Ort, wo man sich verbirgt. Ich habe ihn in allen Ecken
gesucht. 2. Figürlich. 1) Das äußerste Ende einer Sache. In
diesem Verstande werden die vier Enden oder Gegenden der Welt, so wohl in der
Deutschen Bibel, als im gemeinen Leben, häufig die vier Ecken genannt. Ich
sahe vier Engel stehen auf den vier Ecken der Erde, Offenb. 7, 1. Vermuthlich
gehöret hierher auch die im gemeinen Leben übliche R. A. bunt
über Eck gehen, d. i. verwirrt zugehen, welche mehrmahls bey dem Opitz
vorkommt; z. B. Sollt alles nach der Zeit bunt über Ecke gehen. 2) Ein
kurzer Raum, eine kurze Weite, im gemeinen Leben. Es ist nur eine kleine Ecke
bis dahin. Darf ich nicht ein Eckchen mitgehen? 3) Ecken, Eckchen heißen
in manchen Gegenden zwey an einander gebackene Brote oder Semmeln;
S. Ecksemmel. An andern ist es dasjenige Stück,
welches zuerst von einen Brote abgeschnitten wird.Anm. 1. Ecke lautet in der
heutigen Bedeutung bey dem Stryker Ekke, und im Niedersächsischen Egge.
Die erste Bedeutung dieses Wortes ist scharf, spitzig. Daher ist zwiekkiu bey
dem Notker so viel als zweyschneidig, und egge Wapen, egge Tüg, bedeuteten
ehedem in Niedersachsen schneidende Waffen, schneidende Werkzeuge. In dieser
Bedeutung gehöret es zu einem sehr zahlreichen Geschlechte von
Wörtern, welches sich durch alle ältern und neuern Sprachen
ausgebreitet hat. Dergleichen sind das Dän. Eg, und Schwed. Aegy, die
Schneide, das Engl. Edge, das Angels. Ecge, die Schärfe, ecged, scharf,
das Griech. -
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , die Spitze, -
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , ich wetze, das Latein. acies, acus, acidus, acuo,
selbst das Latein. ignis, das Wend. oign, Feuer, und das Ungar. egek, ich
brenne, entweder von der spitzigen Gestalt der Flammen des Feuers, oder auch
von der durch das Brennen verursachten Empfindung, und tausend andere.
S. Art, Achel, Hacke u. s. f. Im Nieders. bedeutet Egge
auch den äußersten Rand an der Leinwand und dem Tuche, die Salleiste;
Oker ist in eben dieser Mundart der scharfe Winkel des Dache mit dem Boden, und
Huuk der Winkel, ingleichen das Zäpfchen in dem Halse.
S. auch Ort, Horn, Kante, welche viele Bedeutungen mit
Ecke gemein haben.Anm. 2. Dieses Wort ist im Oberdeutschen ungewissen
Geschlechtes, das Eck, des -es, plur. die -e, welches Geschlecht auch von
einigen Hochdeutschen beybehalten worden. Das Eck der Erden, Cron. Wenn dieses
Wort eine mit Ecken versehene Figur bedeutet, in den Zusammensetzungen,
Dreyeck, Viereck, Sechseck u. s. f. da ist es auch im Hochdeutschen ohne
Ausnahme ein Neutrum. [
1633-1634]