Die Büchse
, plur. die -n, Diminutivum das Büchschen, Oberdeutsch das
Büchslein. 1) Ein jedes hölzernes, beinernes oder metallenes
cylindrisches Gefäß, welches von seinem Gebrauche verschiedene
zusammen gesetzte Nahmen bekommt. Daher die Apothekerbüchse,
Balsambüchse, Geldbüchse, Sparbüchse u. s. f. Besonders eine
Geldbüchse. Die Büchse in seiner Verwahrung haben. In die Büchse
blasen müssen, Strafe geben müssen, eine niedrige Figur, welche
Frisch von den Taschenspielern herleitet, welche die Unwissenden in eine mit
Kohlenstaube angefüllte Büchse blasen ließen. Die Niedersachsen
sagen statt dessen: in die goldne Büchse gucken müssen. Bey dem
Matthesius bedeutet in das Büchslein blasen so viel als sich schminken. In
Regensburg ist die Büchse ein halbes Schaff, oder 16 Regensb. Metzen. 2)
In engerer Bedeutung, eine Büchse zum Schießen, eine Art eines
Feuergewehres, weil es anfänglich mehr Ähnlichkeit mit einer
eigentlichen Büchse hatte, als jetzt. Im Theuerdanke kommt Büchse von
einer Kanone vor.
S. auch Donnerbüchse und Büchsenmeister.
Nachmahls nannte man nur die kleinen Feuergewehre Büchsen; daher
büchsen noch überhaupt für schießen gebraucht wird.
S. auch die Zusammensetzungen Büchsenmacher,
Büchsenschäfter u. s. f. Heut zu Tage aber beleget man mit
diesem Nahmen nur diejenigen langen Feuergewehre, welche einen gezogenen Lauf
haben, im Gegensatze der Flinten. Eine Kugelbüchse, Schrotbüchse,
Bürschbüchse, Windbüchse u. s. f. 3) In weiterer Bedeutung,
verschiedene hohle Körper, welche keine eigentlichen Gefäße
sind; doch nur in einigen Fällen, als ein Kunstwort. So werden die breiten
eisernen Ringe, welche vorn und hinten inwendig in die Radenaben geschlagen
werden, und mit zwey Ohren oder Widerhaken versehen sind, Büchsen genannt.
Eben diesen Nahmen führen auch ähnliche Ringe in den hölzernen
Röhren der Wasserleitungen, wodurch zwey Röhren mit einander
verbunden werden. Das viereckte Holz an den Buchdruckerpressen, wodurch die
Spindel gehet, heißt eben so wohl eine Büchse, als die Vertiefung,
worin der Zapfen einer Welle geht, welche letztere auch die Pfanne genannt
wird. Daß auch enge Beinkleider in Niedersachsen. Büchsen genennet
werden, ist schon bey dem Worte Bruch angemerket worden.Anm. Im
Niedersächsischen lautet dieses Wort Büsse, Büspe, im Angels.
und Engl. Box, im Ital. Bosso, im Schwed. Byssa, im Dän. Bosse, im
Böhmischen Pusska, im Pohlnischen Buszka, [
1239-1240] im Latein. Pyxis, im Griech. -
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Es scheinet eine Ableitung von Bug,
Bak, Buk zu seyn, welches fast in allen Japhetischen Mundarten ein hohles oder
vertieftes Gefäß von aller Art bedeutet, und vermuthlich von biegen
abstammet. So fern eine Büchse ehedem aus einem zusammen gebogenen Holze
oder Metalle verfertiget worden, ließe es sich auch unmittelbar von biegen
ableiten. Das Angels. Pocca, Pochha, Poha, im Engl. Pocket, Poke, Pouch, Bag,
im Franz. Poche, eine Tasche, Ficke, das Franz Boisseau, ein Schäffel,
Boussole, die Magnetbüchse der Schiffer, und tausend andere Wörter in
allen Europäischen Sprachen gehören gleichfalls
hierher. [
1241-1242]