Die Brust
, plur. die Brüste, Diminutivum das Brüstchen,
Oberdeutsch das Brüstlein. 1. Der vordere gemeiniglich erhabene Theil des
menschlichen und thierischen Körpers von dem Halse an bis an den Magen.
Eine breite, eine hohe Brust haben. Sich an die Brust schlagen. Drücke
deinen Freund an deine Brust. Meine Brust klopft mit voll Unmuth, daß mich
die Natur nicht männlich schuf, Weiße. Die Kälberbrust,in den
Küchen, der Theil an der vordersten Kalbesviertel unter dem Buge, der bey
dem erwachsenen Rindviehe der Brustkern genannt wird. Zuweilen wird unter dem
Nahmen der Brust auch die Brusthöhle, und die in derselben befindlichen
Eingeweide, besonders aber die Lunge verstanden. Daher die Redensarten: es
liegt mir auf der Brust, wenn sich Schleim in der Lunge gesammelt hat; es
beklemmt mir die Brust, wenn das freye Athemhohlen gehindert wird; eine
schwache, eine starke Brust, d. i. Lunge, haben u. s. f. Siehe auch die
Zusammensetzungen Brustarzeney, Brustbeschwerde, Brustkrankheit u. s. f. Oft
verstehet man unter dieser Bedeutung auch nur die eine Hälfte der Brust,
bey beyden Geschlechtern. Einen Stich in die rechte Brust bekommen. In allen
jetzt angeführten Stellen dieser ganzen Bedeutung ist der Plural selten,
ja fast ganz ungewöhnlich, außer wenn von mehrern Brüsten
geschlachteter Thiere die Rede ist.2. In engerer Bedeutung, die fleischigen
Erhöhungen zu beyden Seiten der Brust, besonders bey dem weiblichen
Geschlechte, wo sie zugleich zur Absonderung des Milchsaftes dienen. Selig sind
die Brüste, die du gesogen hast! Luc. 11, 27. Einem Kinde die Brust
reichen oder geben, es an die Brust legen. Ein Kind von der Brust
entwöhnen. Sie schütten Segen herab, und tränken Felder wie
Brüste, Kleist. Da die Schamhaftigkeit diese Theile des weiblichen
Körpers in den gewöhnlichen Fällen zu bedecken bestehet, so kann
es oft den Wohlstand beleidigen, sie im Plural zu nennen, in welchen Falle man
aber diese engere Bedeutung unter die vorige allgemeine im Singular versteckt,
und z. B. statt schöner Brüste, eine schöne Brust sagt. In der
anständigen Schreibart leget man auch solchen Thieren, die ihre
Milchgefäße an der Brust haben, Brüste bey; von den übrigen
aber ist das Wort Euter gebräuchlich.3. Figürlich. 1) Eine Bekleidung
der Brust, besonders bey dem andern Geschlechte. So wird die ausgesteifte
Bekleidung Oberleibes ohne Ärmel zuweilen eine Brust, und bey Kindern ein
Brüstchen, sonst aber auch eine Schnürbrust genannt. An einigen Orten
ist des Brüstchen ein kurzes feines Oberhemd mit Ärmeln der gemeinen
Weibesleute, welches sie über das Unterhemd ziehen. 2) Was vor der Brust
ist. So wird an den Orgeln alles dasjenige Brust genannt, was der Organist bey
dem Spielen der Orgel vor sich hat.
S. auch Brustwerk. 3) Wegen einiger Ähnlichkeit,
besonders in Ansehung der Hervorragung. So wird in den Schmelzhütten die
Wand an dem Schmelzofen über dem Herde die Brust genannt, welchen Nahmen
auch an der Glättgasse die Abdachung von Asche in der Scharte des
Abtreibeherdes führet. Ja in dem Grubenbaue führet diesen Nahmen
beynahe eine jede Hervorragung an dem Gesteine.
S. Zubrüsten. An den Degengefäßen
heißt der massive Theil zwischen dem Griffe und dem Stichblatte
gleichfalls die Brust. 4) Die untern Kräfte der Seele, die man sonst auch
das Herz nennet, weil dasselbe seinen Sitz in der Brusthöhle hat,
besonders bey den Dichtern. Wenn die Dankbarkeit eine weibliche Brust
erwärmet.
Sprich, ob ich deiner Brust je werth gewesen bin,
Weiße.
Anm. In der ersten Bedeutung lautet dieses Wort bey dem
Ulphilas Brusts, bey dem Ottfried und Willeram Brust, im Angels. Breost, im
Engl. Breast, im Isländ. Briost, im Schwed. Brost, im Dän. Bryst, im
Böhmischen Prs, Prsni. Andere Mundarten versetzen das r, wie das Nieders.
Borst, Bost, bey dem Tatian Burst, im Holländ. Borst, im Russischen Persi,
bey den Krainerischen Wenden Perse. Die Abstammung dieses Wortes ist noch
ungewiß; denn wenn einige dasselbe gleich von bersten, andere von
bären, heben, weil sich die Brust bey dem Athem [
1225-1226] hohlen hebet, und noch andere von dem Griech. -
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , anterior, herleiten;
so sind das doch nur bloße Muthmaßungen. Die letzte ist noch die
wahrscheinlichste; denn es scheinet, daß man mit diesem Worte
zunächst auf die Erhöhung oder Hervorragung gesehen;
S. Alberbrosse und Bröschen, und alsdann
könnten die figürlichen Arten des Gebrauches im Bergbaue, besonders
die letzte, als die eigentlichen und ersten Bedeutungen dieses Wortes angesehen
werden. Von den Brüsten des andern Geschlechtes waren ehedem auch die
Ausdrücke Spunne, (
S. Abspänen,) und Manzon üblich, welches
letztere bey dem Tatian vorkommt. In einem alten Vocabulario aus dem
funfzehnten Jahrhunderte heißt Pectus, Borst, und Mamilla, Memchyn. Doch
gebraucht schon Raban Maurus im achten Jahrhunderte Prusti von den Brüsten
des weiblichen Geschlechtes. Im Meklenburgischen nennt man eine
entblößte weibliche Brust im verächtlichem Verstande die
Brüchen.
S. auch Bietz, welches diesen Theil des weiblichen
Körpers in der niedern Vertraulichkeit bezeichnet. [
1227-1228]