Das Brot
, des -es, plur. die -e. 1. Eine aus Mehl und Wasser gebackene
gemeine Nahrung der Europäer, ohne Plural.1) Eigentlich und in engerer
Bedeutung, diese Nahrung so fern sie aus andern Getreidearten als dem Weitzen
zubereitet wird, im Gegensatze der Semmeln und Kuchen. Gesäuertes Brot,
ungesäuertes Brot. Neugebackenes, frisches Brot. Altgebackenes, altes
Brot. Schwarzes, grobes Brot, das aus groben Mehle gebacken wird; weißes,
feines Brot, wozu feines weißes Mehl kommt. Bäckerbrot, im gemeinen
Leben Bäckenbrot, welches der Bäcker bäckt, im Gegensatze des
hausbackenen. Kockenbrot, Gerstenbrot, Haferbrot, Kleyenbrot u. s. f. Brot
backen. Wasser und Brot, die Speise grober Verbrecher in dem Gefängnisse.
Butter und Brot, Käse und Brot, Bier und Brot, werden im gemeinen Leben
zuweilen auch für gemeine, schlechte Speise gebraucht. Das Brot brechen,
ist ein biblischer Ausdruck für speisen.2) Figürlich. (a)
Verschiedene künstlichere Nahrungsmittel, wenn sie die gewöhnliche
Gestalt des Brotes haben. Zuckerbrot, Milchbrot, Eyerbrot u. s. f. (b) Nahrung
und Unterhalt, in welchem Verstande dieses Wort in vielen größten
Theils niedrigen Ausdrücken und Redensarten ohne Artikel vorkommt. Er hat
sein Brot, seinen reichlichen Unterhalt. Sein Brot mit etwas verdienen. Sein
Brot suchen, nach Brote gehen. Jemanden zu Brote helfen, ihm seinen Unterhalt
verschaffen. Jemanden zu einem Stücke Brotes verhelfen, ihm einen
Verdienst verschaffen. Jemanden vom Brote helfen, ihn heimlich umbringen.
Dieß bringt kein Brot. Einen um sein Brot bringen. Er stehet in meinem
Lohne und Brote. Er isset mein Brot, hat seinen Unterhalt bey mir. Sein eigenes
Brot essen, sein eigener Herr seyn. Er verdienet sein Brot mit Sünden. Ich
vergesse es, daß sie so lange in meinem Hause Brot gehabt haben, Gell.
Nach Homers Tode sritten sich sieben Städte um die Ehre, ihm die Geburt
gegeben zu haben; aber keine von allen sieben hatte ihm in seinem Leben Brot
gegeben. (c) Eine Mahlzeit, doch nur in einigen gemeinen Zusammensetzungen. Das
Abendbrot, Mittagsbrot, Morgen-brot, für Abendmahlzeit, Mittagsmahlzeit,
Frühstück. (d) Das Bienenbrot, oder auch nur Brot schlechthin, der
Samenstaub der Blumen, welchen die Bienen zu ihrer Nahrung eintragen, und
welcher auch Wachsmehl genannt wird. Quittenbrot, ein dick eingesottenes
Quittenmuß.2. Eine in eine gewisse, gemeiniglich runde Gestalt gebrachte
Masse dieses Brotes, da es nicht nur einen Plural hat, sondern auch im
Diminutivo das Brötchen, Oberdeutsch das Brötlein, lautet. Christus
speisete vier tausend Mann mit wenig Broten. Eine solche große Masse
Brotes, dergleichen man in den Haushaltungen gebraucht, heißt im
Oberdeutschen ein Laib Brot,
S. Leib. Bey den Zuckersiedern wird ein Hut Zucker, nach
dem Muster des Franz. Pain de Sucre, ein Brot Zucker genannt, daher der
Brotzucker, (Hutzucker,) daselbst dem Kochzucker entgegen gesetzet wird.Anm.
Dieses Wort lautet im Nieders. Brood und Braud, im Dän. Brod, im Schwed.
Bröd, im Isländ. Braud, im Angels. Breod, im Engl. Bread, in Bretagne
Bara, bey den Krimmischen Tatarn Brot, Broe, bey dem Kero Prot, bey dem
Ottfried Brot, in dem alten Gedichte auf Carln den Großen bey dem Schilter
Broud. Man hat verschiedene zum Theil nicht unwahrscheinliche Ableitungen
dieses Wortes angegeben. Wachter und andere vor ihm leiten es von dem Begriffe
des Essens her, wobey ihnen das Hebr. -
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , essen, -
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , und -
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , Speise, und das
Griech. -
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , ich esse, und -
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , Speise, zu Statten kommen. Da aber eben dieses Wort
auch brechen, zerreiben bedeutet, so glauben Dietrich von Stade, Schilter und
andere, daß mit der Benennung des Brotes vornehmlich auf diese
Zerbrechlichkeit gesehen werde, indem die Alten ihr Brot in Gestalt harter
Kuchen backen, die gebrochen werden mußten. Skinner findet den Begriff des
Backens fruchtbarer, und rechnet es zu dem Verbo brüten, Angels. bredan.
Herr Ihre aber fällt auf Brey, Brühe, braten, zumahl da die
Westgothen für Brot backen noch jetzt Brot braten sagen.
S. Braten und Brühe. Alle diese Ableitungen, denen
man noch mehrere beyfügen könnte, haben ihre Wahrscheinlichkeit;
allein das Alterthum dieses Wortes macht, daß diese Wahrscheinlichkeit
noch auf keiner Seite überwiegend wird.
S. Leib. Daß schon die Alten dieses Wort für
eine jede Speise gebraucht, erhellet aus den zusammen gesetzten Bothenbrot und
Wildbret.
S. diese Wörter. In dem ersten bedeutet es sogar
den Lohn, vermuthlich weil derselbe ehedem nur in Eßwaaren gegeben wurde.
In verschiedenen Nahmen der Pflanzen, als Gauchbrot, Johannisbrot, Saubrot u.
s. f. wird theils auf diesen allgemeinen Begriff der Speise, theils auf die den
Broten ähnliche Figur des Samens gesehen. Die Niederdeutschen ziehen in
diesem Worte das d, die Oberdeutschen und mit ihnen die meisten Hochdeutschen
das t vor, welches aus der Verlängerung des Wortes, des Brotes, die Brote,
sehr deutlich erhellet. [
1205-1206]