Der Bastard
, des -es, plur. die -e, 1. Eigentlich. 1) Ein in rechter Ehe,
aber mit einer Mutter von ungleichem oder niedrigerm Stande erzeugtes Kind.
Diese Bedeutung ist im Deutschen nicht mehr üblich, war aber ehedem,
besonders in auswärtigen Ländern sehr gewöhnlich. 2) Ein
außer der Ehe erzeugtes Kind, dessen Vater aber bekannt ist, ein
natürliches Kind. In dieser Bedeutung ist das Wort bey sich, und wird von
solchen natürlichen Kindern beyderley Geschlechtes gebraucht.2.
Figürlich, alles was von seiner gewöhnlichen Art abweicht, besonders
wenn es schlechter ausfällt, als gewöhnlich. 1) Thiere, welche von
Ältern zweyerley Art erzeuget worden. Z. B. ein Hund, der von einem
Jagdhunde mit einer Hirtenhündinn erzeuget worden, dergleichen Thiere man
im gemeinen Leben auch Zwitter zu nennen pflegt. 2) Im Pflanzenreiche, Pflanzen
oder Gewächse, die von ihrer Art abweichen. So nennet man einen gewissen
Spanischen Wein, Bastard, oder Bastardwein, weil er um Guadalcazar aus
Rheinischen Reden erhalten wird, die ein gewisser Holländer, Namens Peter
Simon, dahin gebracht, daher er auch Peter Simons Wein heißt. Er ist nicht
so hoch von Farbe, auch nicht so fett als die andern Spanischen Weine, und hat
eine scharfe Süßigkeit. In Niedersachsen nennet man einen jeden
jungen Franzwein, der mit Schwefel süß gemacht wird, weißen
Barstad. 3) Das Geringere, Schlechtere, Untaugliche in seiner Art. So nennen
die Gärtner oft alle Auswüchse und untaugliche Sprößlinge,
Bastarde. Im Bernsteinhandel belegt man mit diesem Nahmen alle untaugliche,
löcherige Stücke Bernstein von einer gewissen Größe; und
unter den Geschützen heißen alle Arten von unrichtiger Proportion
Bastard. 4) In noch weiterer Bedeutung wird so wohl in dem Naturreiche, als im
gemeinen Leben, alles was einem andern Dinge ähnlich ist, und wofür
man keinen eigenen Nahmen hat, mit einem zusammen gesetzten Ausdrucke benannt,
wovon Bastard die erste Hälfte ausmacht.
S. die folgenden Zusammensetzungen.Anm. Bastard, Franz.
Bastard, Batard, ehedem Bestard, Bertard, Ital. Bastardo, im mittlern Lateine
Bastardus, ist kein urspünglich Deutsches Wort, sondern von den Franzosen
oder Italiänern zu uns gekommen, bey welchen es in den mittlern Zeiten
sehr üblich war, und den schimpflichen Nebenbegriff nicht bey sich hatte,
den die ältern Deutschen damit verbunden haben. Wilhelm der Eroberer,
schämete sich als König von England nicht, sich zu schreiben: Ego
Wilhelmus cognomento Bastardus,
S. die Glossaria des du Fresne und Carpentier. Man hat
allerley wunderliche Ableitungen dieses Wortes versucht, die man in den
Glossariis nachsehen kann. Selbst Wachters seine von dem Griechischen -
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , das
Ehebett, und Art, ist außerordentlich gezwungen. Die erste Hälfte
dieses Wortes ist unstreitig das Französische bas, niedrig, welches ehedem
auch bast lautete. Dieses wird daraus erweislich, weil man einen unehelichen
Sohn, Bruder u. s. f. im Französ. ehedem Fils oder Frere de bast oder de
bas nannte, und die R. A. venir de bas, noch jetzt bedeutet von unehelicher
Abstammung seyn. In einer Französischen Urkunde von 1377 bey dem
Carpentier heißt es ausdrücklich: Pourquoyille avoit appelle Jehan de
Bas, quit estoit adire Bastart et filz de putain. In einer andern von 1378
Perrette fille de Bast. Die letzte Hälfte des Wortes Bastars; ist ohne
Zweifel die Ableitungssylbe er, welche in einigen ausländischen Mundarten,
ard, ardo, art, lautet, wie in Canard.
S. auch Bankart. Von der figürlichen Bedeutung
dieses Wortes kommt in Französischen Urkunden schon 1265 Charrette
bastarde, 1416 Coustel Bastard, 1386 Coustel Bastardeau, und 1460 Vin batard
vor, welches letztere Carpentier durch gemischten Wein erkläret. In einer
Deutschen Übersetzung der Bibel aus dem 14ten Jahrhunderte stehet. 1. Sam.
17, 5 für Riese, ein Bastart, wofür eine andere Übersetzung von
1477 ein man ein baster hat.
S. kritische Beytr. Th. 7. S. 13. [
745-746]