Das Augenmerk
, des -es, plur. inusit. das Merk oder Zeichen, worauf die Augen
gerichtet sind, dasjenige worauf die Augen merken. Also, 1) eigentlich, das
Ziel einer körperlichen Handlung. 2) Ein Merkmahl für die Augen. So
nehmen sich die Schiffer gewisse Augenmerke, die Gegenden in der See daran
wieder zu erkennen; edler Merkmahl. 3) Figürlich, das Ziel einer
Beschäftigung des Geistes. Das Gegenwärtige ist niemahls unser Ziel;
das Vergangene und Gegenwärtige sind nur die Mittel; das Zukünftige
allein ist unser Augenmerk. 4) Die Richtung des Gemüthes auf etwas, die
Aufmerksamkeit. Die Liebe der Ehe mit einem stäten Augenmerke auf ihre
ehrwürdige Absicht durch Klugheit regieren, Gell. In dieser Bedeutung,
welche gewiß nicht die beste ist, gebraucht Opitz so wohl dieses Wort, als
auch das noch ungewöhnlichere Augenmerkung, in höherer Bedeutung von
Gott:
- Er hält seyn Augenmerk Auf seiner Menschen Thun.
Ingleichen:
Denn nichts ist, drauf nicht der, von welchen alles hanget, Mit
seiner Gegenwart und Augenmerkung langet.
5) In der Kriegeskunst bey einigen Neuern, die Fertigkeit,
die Lage und Eigenschaft einer Gegend, mit allen ihren Vortheilen und
Unbequemlichkeiten in der Geschwindigkeit zu übersehen; Franz. le Coup
d'oeil, welchen Begriff es doch nicht erschöpft. [
563-564]