+ Der Atte
, oder Ätte, des -n, plur. die -n, der Vater; ein Wort,
welches heut zu Tage nur noch in den niedrigsten Mundarten Oberdeutschlandes
gehöret wird, ehedem aber allgemeiner war, und zwar nicht allein bey den
Deutschen, sondern auch bey sehr vielen andern Völkerschaften. Zum
Beyspiele dienet das Römische Atta, nach dem Festus, das Griechische -
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ,
das Gothische Atta, das Türkische Ata, das Tschuwassische Atta, das
Ungarische Atya, das Lappländische Atzhie oder Atye, das Wallisische
Haita, das Friesländische Haite, das Slavonische Otez, das Wendische Eyda,
alle in der Bedeutung eines Vaters, anderer Sprache zu geschweigen. Andere
Mund- und Sprecharten haben mit einer geringen Versetzung dafür Tata, wie
der gemeine Haufe in Schwaben so wohl als in Niedersachsen, wofür die
Friesen und Hannoveraner Teite, die Engländer Dad. Dadde, die Spanier
Taita, die Türken Tada sagen. Selbst bey den Griechen und Lateinern war -
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ,
und Tata bekannt. Mandarf sich über die große Übereinstimmung
nicht wundern, da Atta eines von denen Wörtern ist, welche die Natur den
stammelnden Kindern selbst lehret, indem at und ta für die Aussprache sehr
leichte Sylben sind, die die Sprachwerkzeuge gleichsam von sich selbst hervor
bringen. Abba, Appa und Amma sind eben solche Wörter, aus deren
ähnlichen Versetzung Baba, Papa, und Mamma geworden. Übrigens
bedeutet Atta bey den Friesen noch jetzt einen Richter. [
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