Abtrünnig
, adj. et adv. den bisherigen Verbindungen untreu. Von seinem
rechtmäßigen Herrn abtrünnig werden. Ein Abtrünniger in
oder von der Religion. Die Abtrünnigen, d. i. Anführer, zum Gehorsam
bringen.Anm. Abtrünnig, oder wie es auch hieß, trunnig und
trünnig, bedeutete ehedem eigentlich einen Überläufer von dem
Kriegesheere, und hernach einen jeden Entrunnenen, wie aus dem Haltaus h. v.
erhellet. Es scheint zunächst nicht so wohl von dem Zeitworte abtrennen,
als vielmehr von dem damit genau verwandten, aber längst veralteten
Hauptworte Trunn herzukommen. Wenigstens ist in dem Verbo das u und i ehedem so
selten nicht gewesen, wie Frisch zeiget. Ein Abtrünniger hieß ehedem
auch ein Abtrünner und Abtrünnling. Antrunnigi, apostasia, in Gloss.
Pez. ist wohl von rennen, und der Partikel ant, oder ent zusammen gesetzt,
gleichsam Entrennung. Indessen ist Abtrünnig heut zu Tage im Hochdeutschen
nicht mehr so sehr üblich, als in Oberdeutschland, wo man auch das
Hauptwort die Abtrünnigkeit, Abfall von der Religion oder von seinem
Herrn, hat. [
127-128]