+ Die Abgunst
, plur. car. die Gemüthsbeschaffenheit, da man andern das
Gute, welches sie besitzen, nicht gönnet; am häufigsten im gemeinen
Leben für das edlere Mißgunst.Anm. Abgunst ist von Ab und Anst,
Wohlwollen, wofür man nachmahls mit dem vorgesetzten Ge, Geanst, und noch
später Gunst sagte. Abanst kommt bey den Kero, Abjunst aber schon bey dem
Tatian vor. Ab hat hier die Bedeutung des Verneinens; Abgunst sollte also so
viel als Ungunst, oder Abneigung anzeigen. Es hat diese Bedeutung auch wirklich
gehabt; indessen ist es doch auch schon sehr frühe für Mißgunst
und Neid gebraucht worden.Es haben einige zwischen Neid, Mißgunst und
Abgunst einen Unterschied in der Bedeutung annehmen wollen. Neid kann
allenfalls den höchsten Grad der Mißgunst bezeichnen; allein
Mißgunst und Abgunst scheinen völlig gleich bedeutend zu seyn, und
hier eigenmächtig etwas festsetzen wollen, würde keinen Nutzen haben.
Der wahre Unterschied ist der, daß Abgunst heut zu Tage mehr in
Niederdeutschland und im gemeinen Leben, Mißgunst aber am meisten in
Oberdeutschland und der anständigern Sprechart üblich ist. Das
Schwed. Afund und Dän. Avind ist dem ersten Ursprunge getreuer geblieben;
doch sagt man in Dänemark auch, wie in Niedersachsen, Afgunst. Ehedem war
auch das Zeitwort abansten für mißgönnen üblich, wofür
die Schweden noch jetzt afunna sagen.
S. auch Gönnen. [
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