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Adelung - Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

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Die Wache

, [1319-1320] plur. die -n. 1. Der Zustand, da man wacht, doch nur im figürlichen Verstande, der Zustand, da man für die Sicherheit anderer wachet; ohne Plural. Es wird in dieser Bedeutung nur mit gewissen Verbis gebraucht, welche sich nicht mit andern vertauschen lassen. Wache halten. Ein alter Haushahn hielt auf einer Scheuer Wache, Haged. Die Wache haben, auf der Wache seyn. Wache stehen, elliptisch, für auf der Wache stehen, d. i. stehend Wache halten. Am häufigsten wird es im Kriegswesen gebraucht, da sich denn oft auch der Begriff des Ortes mit einmischet, obgleich die abstracte Bedeutung die herrschende ist. Auf die Wache ziehen, von der Wache kommen. 2. Personen, welche auf solche Art Wache halten, als ein Collectivum, auch wenn nur eine einzelne Person gemeint ist; am häufigsten im Kriegswesen. Die Wache ablösen, sie mag aus einer oder aus mehrern Personen bestehen. Wachen ausstellen. Jemanden die Wache geben, ihn wegen eines Vergehens von Soldaten bewachen lassen. Daher die Zusammensetzungen, Schildwache, Leibwache, Thorwache, Brandwache, Feldwache, Scharwache u. s. f. 3. Der Ort, wo Soldatenwache gehalten wird, und das für selbige bestimmte Gebäude. Auf die Wache, in die Wache gehen. Auf der Wache speisen. So auch die Thorwache, Hauptwache u. s. f. Anm. Es ist vermittelst des abstracten e von dem vorigen Adverbio wach, oder auch von dem folgenden Verbo wachen, abgeleitet. Ehedem war dafür mit einer andern abstracten Ableitungssylbe Wacht üblich, schon bey dem Kero Wachtu, welches noch im Niederdeutschen und einigen gemeinen Mundarten gangbar ist, auch zuweilen noch in einigen Zusammensetzungen, z. B. Wachtmeister, vorkommt, ob sie gleich richtiger ohne t gebraucht werden. Um dieses alten Wacht Willen, welches unstreitig zu dem noch im Niederdeutschen üblichen wachten, warten, gehöret, wird es wahrscheinlich, daß in unserm Wache die Bedeutungen zweyer verschiedener Verborum zusammen geflossen sind, des Niederdeutschen wachten, warten, und des Hochdeutschen wachen. Es wird dieses auch dadurch bestätiget, daß die Niederdeutschen außer ihrem Wacht noch das Wort Wake haben, die Wache zu bezeichnen, welches von waken, wachen, abstammet. [1319-1320]
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