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Adelung - Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

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Die Tafel

, [513-514] plur. die -n, Diminut, das Täfelchen, Oberd. Täfellein. 1. Im weitesten Verstande, ein jeder gemeiniglich viereckiger ebener Körper, welcher ungleich länger und breiter, als dick ist; am häufigsten nur in solchen Fällen, wo ein solcher Körper keine andere eigene Benennung hat, denn Blatt, Platte, Bret u. s. f. sind im Grunde auch Tafeln. Eine Tafel Spiegelglas. Glas in Tafeln, eine Glastafel. Messing in Tafeln, ( S. Tafelmessing.) Morsellen in Tafeln oder Täfelchen. Eine Tafel Chocolate. Bey den Tischlern sind die Tafeln zwey oder drey an einander geleimte und auf der einen Seite glatt gehobelte Breter, womit die Fußböden und Wände der Zimmer getäfelt, d. i. bekleidet werden. Eine Tafel von Marmor, eine Marmortafel. Einen Stein zu Tafeln schneiden. Indessen ist von steinernen und metallenen Tafeln das Wort Platte in den meisten Fällen üblicher. In einigen Gegenden werden auch die Scheiben oder Waben in den Bienenstöcken Tafeln genannt. 2. Besonders, so fern ein solcher Körper dienet darauf zu schreiben. Eine Schiefertafel, Rechentafel. Die Gesetztafeln, steinerne Tafeln, auf welchen die zehn Gebothe des Sittengesetzes der Juden geschrieben wurden; daher die zwey Hauptarten des göttlichen Sittengesetzes noch jetzt die zwey Tafeln genannt werden. Die Schwarze Tafel, von Holz, mit der Kreide darauf zu schreiben. Die Schreibetafel, eine oder mehrere Tafeln, von Elfenbein, eine besondere Art Pergamentes u. s. f. solche bey sich zu tragen und darauf zu schreiben. Die Geschlechtstafel, ein Geschlechtsregister, so fern es ehedem auf eine eigentliche unbeugsame Tafel verzeichnet und aufgehänget wurde. Um eben desselben Willen pfleget man auch ehedem die Landkarten Landtafeln, und Gemählde gleichfalls Tafeln, (Franz. Tableaux,) zu nennen, in welcher Bedeutung es aber im Hochdeutschen veraltet ist, wo man das Wort Tafel nur noch von festen unbiegsamen Flächen gebraucht, die pergamentenen Schreibtafeln etwa ausgenommen, S. auch Tabelle. 3. In engerer Bedeutung, ein jeder großer Tisch, er sey viereckt, oder rund, oder lang, oder von welcher Gestalt er wolle; ohne Diminutivum. Der Schneider schneidet die Kleider auf einer langen Tafel zu, ( S. Tafelschneider,) Die Beilkentafel. Besonders, (1) ein solcher großer Tisch, daran zu speisen. (a) Eigentlich, wo ein jeder großer Tisch, woran viele Personen Platz haben, den Nahmen einer Tafel führet. Eine Tafel, woran zwanzig Personen speisen können. An einer runden Tafel spei- sen. Die runde Tafel, Franz. Table ronde, ein bekannter alter Roman. Eine ovale Tafel. Die Tafel decken. Weil vornehme Personen gemeiniglich zahlreiche Tischgesellschaften haben, so ist es in dieser Bedeutung besonders von ihren Speisetischen üblich. Es wurde an vier Tafeln gespeiset. Die Speisen auf die Tafel setzen. (b) Figürlich, eine solche mit Speisen besetzte Tafel, ingleichen eine Mahlzeit, so wohl eine feyerliche Mahlzeit mehrerer Personen, als auch die gewöhnliche Mahlzeit vornehmer Personen, wie man von geringern in eben diesem Verstande das Wort Tisch gebraucht, ohne Plural. Sich zur Tafel setzen. Zur Tafel gehen. Noch bey der Tafel sitzen. Nach der Tafel. Jemanden mit zur Tafel nehmen. Tafel halten, d. i. speisen, ingleichen, eine zahlreiche Gesellschaft zu Tische haben. Offene Tafel halten, öffentlich speisen. Freye Speisen halten, wo jedermann von einem gewissen Stande Zutritt hat. Lange Tafel halten, lange bey Tische sitzen. Von der Tafel aufstehen. die Mittagstafel, Abendtafel. Es ist heute große Tafel, es speist heute eine zahlreiche Gesellschaft bey Hofe. Jemanden zur Tafel ziehen, einladen lassen. Zur Tafel blasen. Zur Tafel kommen, bey der Tafel erscheinen. Die Tafel bey Hofe haben, gewöhnlich bey Hofe speisen. Eine gute Tafel führen, gut speisen. In der dichterischen Schreibart auch wohl die Speisegesellschaft.
Eine muntere Tafel, von leichten Scherzen umflattert, Schmauste den langen Nachmittag durch, Zachar.
(2) Eine solche Tafel, so fern die Glieder eines Gerichtes oder einer Versammlung an derselben zusammen kommen, daher in einigen Provinzen und Ländern ein Gerichtshof noch die Tafel genannt wird; daher die Landtafel, das Landgericht, die Lehntafel, die Lehenskanzelley, u. s. f. Anm. Schon bey dem Notker und Willeram Tauelo, Tabilo, im Schwed. Tafla, im Wallis. Tafall. Gemeiniglich leitet man es von dem Lat. Tabula her; allein, wegen seines hohen Alters, scheinet es vielmehr ein Seitenverwandter, als ein Abkömmling desselben, zu seyn. Die Endsylbe -el, Lat. -ula, bedeutet ein Ding, Subject. Das eigentliche Stammwort Taf, scheint entweder den Begriff der Ausdehnung in die Länge und Breite zu haben, und mit Tapete, Teppich, Daube, vielleicht auch mit Stab, verwandt zu seyn, oder auch zu einem veralteten tafen, in Blätter schneiden, zu gehören, welche Bedeutung das Wallisische tafella noch hat. Übrigens lautet dieses Wort in einigen gemeinen Mundarten auch Zabel, Zagel, daher Schachzabel, das Schachbret, Wurzabil, bey dem Raban Maurus, die Wurftafel. [515-516]
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