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Adelung - Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

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Der Rädelsführer

, [913-914] des -s, plur. ut nom. sing. eigentlich der Anführer eines aufrührischen Haufens, und in weiterer Bedeutung, der Urheber oder Anstifter eines jeden bösen Sache im gehässigen Verstande. Im Osnabrück. Retförder, im Schwed. Rodefader, von Rod, ein Kreuz, wo es eigentlich den Kreuzträger bey Prozessionen in der Römischen Kirche bedeuten würde. Die eigentliche Abstammung des Deutschen Wortes ist noch ungewiß, weil mehrere Begriffe mit gleichem Rechte darauf Anspruch machen können. Viele leiten es aus dem Bauernkriege her, wo die aufrührischen Bauern einiger Gegenden statt der Fahne ein Pflugrad vor sich her tragen; eine Ableitung, welche allen Beyfall verdienen würde, zumahl da ein Rädelsführer im Nieders. auch ein Fahnkeförer, Fahnenträger, genannt wird, wenn nicht erweislich wäre, daß das Wort weit älter ist. Haltaus läßt es von Reitel, Oberd. Raitel, ein kurzer dicker Stock abstammen, da es denn zunächst den Dorfrichter bedeuten würde, der noch jetzt auf einigen Dörfern die Gemeine mit einem solchen Stabe zusammen beruft. Das Schwedische Rodefader könnte auch die Abstammung von dem auch Angels. Rode, Rad, ein Kreuz, welches Wort Kreuz selbst daher stammet, wahrscheinlich machen. Allein es scheint noch immer, daß Frischens Ableitung die wahrscheinlichste ist, der es von dem Rade, d. i. Kreise, im Tanzen ableitet, da denn Rädelsführer eigentlich den Vortänzer in einem Reihentanze, der bey unsern Vorfahren üblicher war als jetzt, bedeuten würde. Ein solcher Reihen heißt auch im Ital. Ridda, und von einem solchen Vortänzer sagt man noch jetzt auf dem Lande, daß er das Rädlein führe. Indessen verdient das schon gedachte Osnabrückische Retförder eine besondere Aufmerksamkeit.
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