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Adelung - Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

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In, [1365-1366] ein Vorwort, welches im Deutschen von einem überaus häufigen Gebrauche ist, und überhaupt ein Seyn, einen Zustand um den Mittelpunct oder um das Innere eines andern Dinges, ingleichen ein Bestreben nach diesem Innern bezeichnet. Es wird so wohl mit der dritten, als mit der vierten Endung verbunden. I. Mit der dritten Endung, ein Seyn, eine Ruhe, einen Zustand, eine Handlung zu bezeichnen, deren Sitz das Innere eines andern Dinges ist; da es denn eigentlich einen Ort, in weiterer und figürlicher Bedeutung aber auch einen Zustand, einen Gegenstand, ein Hülfsmittel, eine Bewegungsursache, eine Art und Weise und eine Zeit bedeutet, wo in den meisten Fällen der Begriff der Coexistenz der herrschende ist. 1. Einen Ort, dasjenige Verhältniß in Ansehung des Ortes, wo ein Ding von demselben ganz umgeben wird. In der Stadt wohnen. Im Bette liegen. Ruhe sanft in der mütterlichen Erde! In Ketten und Banden liegen. Wir werden heute in dem Garten speisen. Er ist der reichste Mann im Dorfe. Es stehet in der Mitte. Mitten im Lande. Es ist in guten Händen. Etwas in der Hand, im Munde haben. Er sprang mit dem Degen in der Hand hervor. Fest im Sattel sitzen. Dem Glücke im Schooße sitzen. Es liegt im Fenster. Im dritten Kapitel, im fünften Buche, im sechsten Verse. In sich enthalten, fassen, begreifen. Mit einem Fuße im Grabe stehen. Nichts Gutes im Schilde führen. Mit im Rathe, in der Commission, im Consistorio sitzen. In London, in Paris, in Frankreich, in Italien seyn. Sich in der Fremde aufhalten. So lange wir in dieser Welt leben. Das Blut stockt mir in den Adern. Alle Thiere im Walde. Im Grünen sitzen. In dieser blauen Ferne sehe ich nichts als den Himmel und mich. Eine Thräne stand ihm in den Augen. In jeder Miene schilderte sich sein Schmerz. Dein Unglück liegt in deinem unruhigen Herzen. Ich hielt ihn in meinen Armen. In der ganzen Gegend beliebt. Sich in der Schlinge fangen. Die Familie in der ich lebe, die Gesellschaft in der ich bin. In Gesellschaft seyn. In der Gesellschaft seyn. Sich in eines Gesellschaft befinden. Das stehet nicht in dem Briefe, in dem Buche, in dem Gedichte. In der Nähe, in der Ferne seyn. In einiger Entfernung warten. Im gemeinen Leben. In manchen Fällen ist noch das Vorwort an üblich, besonders vor dem Worte Ort; an diesem Orte. S. An I. 1. Bey den Nahmen der Länder, welche große Herren in ihren Titeln führen, gebraucht man das Wort von, wenn sie das ganze Land beherrschen, in aber, wenn sie nur einen Theil desselben besitzen. Man sagt also unrecht, der König in Frankreich, in Spanien, in England, in Portugal; aber richtig die Herzoge in Sachsen. Die Krone Pohlen machte dem Churhause Brandenburg lange den Titel König von Preußen streitig, weil es damahls nur einen Theil von Preußen besaß, und die Republik Lucca will dem Großherzoge von Toscana, dem Reisler zu Folge, nur den Titel Großherzog in Toscana geben. Eben so findet dieses Vorwort Statt, wenn das Zeitwort zwar eine Handlung, eine Bewegung bezeichnet, deren Schauplatz aber doch das Innere eines andern Dinges ist. Suchet in der Schrift. In einem Buche blättern. In der Fremde herum reisen. In der Stube auf und ab gehen. Im Finstern tappen. In diesen Schuhen gehet es sich nicht gut. Im Trüben fischen. Es gehet mir im Kopfe herum. Sich im Wasser spiegeln. Sich in der Stadt verbergen. Etwas in der Mitte entzwey brechen. Ich laß mein Schicksal in ihren Augen. Weit im Felde umher schweifen. Im Mondenscheine spazieren gehen. In der Welt fortkommen. In vielen eingeführten Redensarten hat zwar in diese eigentliche Bedeutung des körperlichen Raumes oder Ortes, allein die ganze R. A. ist doch figürlich. Einander in den Haaren liegen, sich raufen, balgen. Er ist ein Schelm in der Haut. Einem im Wege stehen, ihm hinderlich seyn. Das stehet mir bey diesem Geschäfte noch im Wege. Ein Mensch in einem schlechten Kleide. Jemanden im Stiche lassen. Jemanden in Verdacht haben. Etwas in frischen Andenken haben. Etwas im Sinne haben. 2. Einen Zustand, bey oder unter dessen Anwesenheit eine Sache ist oder geschiehet. In den letzten Zügen liegen. In Bereitschaft stehen. Im Begriffe seyn. Im Besitz einer Sache seyn. In diesem Zustande war es nicht möglich. Sich in den besten Umständen, in schlechten Umständen befinden. Ich sahe ihn in großer Eile aus dem Hause laufen. Mit einem in Freundschaft, in Verbindung stehen, mit ihm in Feindschaft leben, mit ihm in Bekanntschaft stehen. In Uneinigkeit leben. In Eid und Pflicht stehen. Etwas im Schlafe thun, im Traume reden. In Ruhe, im Überflusse, in Armuth leben. Laß mich in Ruhe. In der Bewegung, in Bewegung seyn. Im Schwange gehen. Ein Mann in seinem Alter. Im Ehestande leben. In einem öffentlichen Amte stehen. In großem Ansehen stehen. Etwas im baulichen Wesen erhalten. Er stehet in meinen Diensten. Wenn ein großer Mann fällt, so ist er auch im Falle groß. Im Tode getrost. Er ist in meinem Schutze, in meiner Gewalt, in meiner Aufsicht. Einem in der Noth beystehen. Besonders einen Zustand des Gemüthes. Etwas im Zorne, in der Wuth, in der Hitze thun. In Sorge stehen. In Geduld stehen. In Angst, in der Angst seyn. In Zweifel stehen. Ich sage es im Ernste, im Scherze. In der Einbildung stehen. In dieser Ungewißheit stehe ich, schwebe ich. Ich sage dirs im Guten. In der Erwartung stehen. 3. Einen Gegenstand, und zwar den Gegenstand einer Beschäftigung, einer thätigen oder leidenden Veränderung, zuweilen auch nur eines Prädicates. Ich diene ihm in dieser Sache. Er störte mich in dieser Beschäftigung. Er vertiefte sich in seinen Betrachtungen. In seinen Nachforschungen hitziger werden. Wir gefielen uns in unserm Gespräche. Siehe nicht etwa Spott in diesen unschuldigen Worten. In dem Bewußtseyn seiner Tugend eine reiche Quelle des Trostes finden. Im Streite, in der Arbeit begriffen seyn. Im Brete, in der Karte spielen. In der Rede stecken bleiben. Mitten in der Arbeit aufhören. Ich fange an Vergnügen im Wohlthun zu finden. Im Tanzen, im Spielen geschickt seyn. Sich im Singen üben. In Kleinigkeiten genau seyn. Im Großen klein, und im Kleinen groß seyn. In der Ordnung hat er wenige seines gleichen. Er übertrifft ihn in der Schwatzhaftigkeit. In vielen Künsten erfahren, in der Schrift bewandert seyn. In dieser Sache hast du Recht. In diesem Stücke ist er abergläubig. Schnell im Laufen seyn. Im Kaufe bedachtsam, im Fragen vorwitzig seyn. In diesem Stücke kann ich meinen Augen trauen. In diesem Falle, in jenem Falle. Du verlierest nicht alles in mir, zugleich mit mir. In ihm fiel unsre Hoffnung, unser Schutz, Dusch. Im Spiele gewinnen. Im Spiele unglücklich seyn. In Gott vergnügt. Der hat sie verlassen, in welchem sie ihr ganzes Daseyn fühlte. 4. Hülfsmittel oder Werkzeug, vermittelst dessen etwas ist oder geschiehet, in einigen bereits eingeführten Fällen. In Gleichnissen reden, in Fabeln lehren. Ein Pferd im Zaume halten. Sich im Weine, im Biere betrinken. Er dankte ihm in den feurigsten Ausdrücken. In seinen Gedanken über die ganze Welt herrschen. In seiner Einbildung ist er glücklich. Sich etwas in Gedanken, im Geiste vorstellen. 5. Eine Bewegungsursache, auch nur in einigen Fällen. Etwas in guter Absicht thun. Ich that es in der besten Mei- [1369-1370] nung von der Welt. Ich gebe von hier ab, in der Hoffnung, anderwärts mein Glück zu machen. Ich reise in meinen eigenen Angelegenheiten. In Geschäften reisen. 6. Die Art und Weise, wie ein Ding ist, oder geschiehet. Im Glauben bethen oder bitten. Im Nahmen Gottes. In meinem, in seinem Nahmen. In meiner Gegenwart, in seiner Abwesenheit. Im Schweiße deines Angesichtes. In Eile gemacht. Ein Buch in Folio, in Duodez, in Quart. In einem gebietherischen Tone. Im Überflusse. In einem hohen Grade. In diesem Grade. Im Laufen trinken, im Reden schreiben. Ich leide in der Stille. Alles in der Welt sehe ich nur im Verhältnisse mit ihr. Sechs Ellen in Einem Stücke. In einem Athem fortreden. Besonders die Art und Weise der Existenz. Sein Vermögen bestehet in Grundstücken, sein Reichthum in Capitalien. Ihre Art sich zu unterhalten bestand in Streitigkeiten. Tausend Thaler in Gold. Die Tugend bestehet in der Ausübung seiner Pflichten. Wohin auch verschiedene adverbische R. A. gehören, welche dieses Vorwort mit manchen Nennwörtern und Partikeln macht. In Betrachtung, in Erwartung, in Ansehung, in Absicht, in Erwägung, in Ermangelung, im Grunde, im Gegentheile, im geringsten nicht, in kurzen, in Wahrheit, in der That. 7. Eine Zeit, und zwar 1) Eine Zeit, wenn sie eine Sache geschiehet, oder geschehen ist, von der gegenwärtigen und vergangenen Zeit, wenn sie ohne ein Zahlwort bestimmet wird. Das war in meiner Jugend noch nicht Mode. Es geschahe in diesem, im vorigen Jahre, im vorigen Monathe. Das ist in vieler Zeit, in langer Zeit nicht geschehen. In andern Fällen bekommt das Hauptwort Zeit das Vorwort zu. In meinem ganzen Leben ist das nicht geschehen. Es geschahe im Sommer. Er kam mitten im Winter, in der Nacht. Um drey Uhr in der Nacht. In der erst, im gemeinen Leben, für anfänglich. In der Ernte sterben. In der Theurung. Er hat sich in seinem Leben rechtschaffen geplagt. In einer angenehmen Stunde. Wir reiseten in aller Frühe. In der Stunde des Todes. Sie starb in der Blüthe ihrer Jahre. In ihrer Jugend war sie schön. In der Mittagsstunde. Ich war in seinen letzten Augenblicken, in seinen letzten Stunden bey ihm. Das Wort Tag, ingleichen die Nahmen der Wochentage und Feste nehmen dafür das Vorwort an an. Daher der biblische Ausdruck in den Ostern, Joh. 2, 23, so wie die biblischen R. A. in den Tagen, in diesen Tagen, in den letzten Tagen, im Hochdeutschen ungewöhnlich sind. S. An. Oft wird es auch ausgelassen und dafür das Hauptwort in der vierten Endung gesetzt. Ich würde es voriges Jahr gethan haben, im vorigen Jahre. Vorige Woche war er hier. Er war erst diesen Augenblick da. 2) Eine künftige Zeit, wenn etwas geschehen wird, mit dem Nebenbegriffe ihres Anfanges von jetzt an, mit und ohne Zahlwort; für innerhalb. Ich muß es höchstens in einer Stunde haben. Ich reise längstens in acht Tagen fort. In vier Tagen muß es sich weisen. Ich werde in einigen Tagen verreisen. Wir werden in wenig Minuten da seyn. In kurzen, in der Kürze, in kurzer Zeit. In künftigem Sommer, im künftigen Jahre. Ich komme in einem Augenblick wieder. In der R. A. das geschiehet in alle Ewigkeit nicht, ist einmahl die vierte Endung hergebracht. Wenn kein Zahlwort dabey ist, so wird das Vorwort auch häufig weggelassen. Künftigen Sommer, künftige Woche. Ich komme den Augenblick wieder. 3) Einen Zeitraum, welcher zu einer Sache erfordert wird, oder während dessen sie geschehen ist, wofür in vielen Fällen innerhalb üblich ist. In sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht, 2 Mos. 20, 11. In einer Stunde ist verwüstet solcher Reichtum, Apostelg. 18, 17. Ich habe ihn in zehen Jahren nicht gesehen. Es schlug in einem Tage drey Mahl ein. Es geschahe in einem Augenblicke. In einer Stunde war die Sache gethan. In weniger als einer halben Stunde wurden wir Freunde. Dahin können sie in drey Stunden kommen. Das kann ich in so kurzer Zeit nicht verrichten. II. Mit der vierten Endung, die Richtung einer Bewegung oder eines Zustandes, ein Bestreben nach dem Innern einer Sache zu bezeichnen, wo es wiederum eigentlich einem Orte, und in weiterer und figürlicher Bedeutung, auch einem Zustande, einer Materie, einer Gestalt, der Ausdehnung, einer Zahl und einer Zeit zur Begleitung dienet. 1. Einem Orte, eine Bewegung nach dem Innern eines Dinges zu bezeichnen. Wasser in den Brunnen tragen. Wein in das Faß füllen. Einem in das Gesicht sehen. Sich in das Fenster stellen. In die Stadt kommen, gehen, reisen. In das Haus brechen. Sich ein Loch in den Kopf fallen. In die Kutsche steigen. In die Tasche stecken. In den Krieg ziehen. Einem etwas in die Hände spielen. Etwas in die Hand, in den Mund nehmen. Einem in den Wurf kommen. Etwas in die Augen fassen. Gute Lehren in den Wind schlagen. Einem die Worte in den Mund legen. Es sticht ihm in die Augen. Einem etwas in den Weg legen. Sich ins Mittel legen. Der Fisch gehöret in das Wasser. Etwas in Gold einfassen. In den Rath kommen. In die Schule, in die Kirche gehen. Sich in einen Winkel verbergen. In einander fahren, reiten, sich verwickeln. Schlösser in die Luft bauen. Sich in die Hand schneiden. In die Flucht schlagen. Einem ein Stück Geld in die Hand drücken. Einem etwas in das Ohr sagen. Er geitzt in seinen Sack. In Papier einwickeln. Er passet nicht in das Loch. Es ist mir etwas in den Weg gekommen. In der Leute Mäuler kommen. Sich in die Sonne legen. In Gesellschaft gehen. Die Thränen traten mir in die Augen. Eine Grube in die Erde machen, Matth. 25, 18. Sich in den Mantel hüllen. In dünne Nebelschleyer hüllt sich die Blumenflur. In einander wirken. In jemanden bringen. In deine Hände befehl ich meinen Geist. In sich schlagen, in sich gehen. In das Gedränge kommen. In den Tag hinein leben. Ins Werk steilen oder richten. In Besitz nehmen. Jemanden in seinen Schutz, etwas in Verwahrung nehmen. Sich in Acht nehmen. Viele Einsicht in die Arzeneywissenschaft haben. Einem in die Rede fallen. Sich in eine Sache mengen oder mischen. In des andern Seele schwören. Es gehet in das zwanzigste Jahr, es ist bald zwanzig Jahr. Er gehet in das dreyßigste Jahr, ist bald dreyßig Jahr alt. In die Wette laufen, besser, um die Wette. Das fällt gut in das Gesicht. Ein Gut in Lehn nehmen. Sich in jemandes Huld empfehlen. Etwas in Augenschein nehmen. Tief in den Text kommen. Sich in die Leute schicken. Er weiß sich in alles zu finden. Sich in sein Schicksal ergeben. Ich willige nicht in diese Sache. In eine Person verliebt seyn. In Thränen, in laute Klagen ausbrechen. Er brach in diese Worte aus. Besonders 2. Einem Zustande, wenn sich derselbe an einem Dinge entwickelt, oder doch der Entwickelung nahe ist, es sey durch eigene oder fremde Kraft. In das Elend, in Armuth gerathen. [1371-1372] In Verachtung gerathen. In sein Verderben rennen. In sein Unglück eilen. In Verdacht gerathen. In den Gang, in den Schwung kommen. In den Gang bringen. In Vergessenheit kommen. Etwas in Vergessenheit stellen. In Verwunderung gerathen. Jemanden in Verwunderung setzen. In Erstaunen gerathen. Die Kälte verwandelte sich in eine brennende Hitze. Eine Strafe in eine Geldbuße verwandeln. Der Schauplatz des Lebens verwandelt sich vor mir in den Abgrund des Grabes. In die Erfüllung gehen. Etwas ins Reine bringen. In ein hitzig Fieber fallen. In Grillen verfallen. Besonders eine Theilung zu begleiten. Etwas in fünf Stücke zerschneiden. Der Fluß theilet sich in zwey Arme. In tausend Stücke schlagen/brechen. Ein Buch in vier Bände binden lassen. 3. Einer Materie, wo der Begriff des Ortes, nach welchem die Bewegung gerichtet ist; zugleich den Begriff der Materie, des Stoffes mit in sich schließet. In Gold, in Silber, in Bley, in Holz, in Bernstein, in Wachs arbeiten. In Wachs poussiren. Figuren in Holz schneiden, in Kupfer stechen. 4. Einer Gestalt, die Bemühung, dem Theile eines Dinges eine gewisse Gestalt zu geben, zu begleiten. Blumen in einen Strauß zusammen fügen. Etwas in ein Bündel binden. Ein Dreyeck in ein Viereck verwandeln. Die Haare waren in einen Zopf geflochten. Die Aussicht endigt, vereinigt, verwandelt sich endlich in ein Amphitheater. Die Haare waren in zwey Locken gesteckt. 5. Einer Ausdehnung, deren Maß, Bestimmung u. s. f. zu begleiten. Der Thurm erstreckt sich auf hundert Fuß in die Höhe. Der Raum hatte vierzig Ellen in die Länge und zwanzig in die Breite. Ein Gebäude in die Breite messen. In die Länge und in die Quere. Wo es auch zuweilen ausgelassen werden kann. Und rückt den spitzigen Hut die Quere, Gell. In die Länge, wird auch figürlich von einer langen künftigen Zeit gebraucht. Das thut in die Länge kein gut. 6. Einer Zahl, doch nur eine ungefähr, nicht auf das genaueste bestimmte Zahl zu bezeichnen; am häufigsten im gemeinen Leben, und mit den Nebenbegriffe der Vielheit. Es waren ihrer in die zwey hundert Personen. Judas brachte ihrer in die dreyßig tausend um, 2 Macc. 12, 4. Es wiegt in die dreyßig Pfund. In die funfzig Jahre alt. Ich würde Ihnen zur Ehe rathen, da ich weiß, daß sie in die sechzig sind? Gell. Ich habe ihn in die drey Jahre nicht gesehen. In welchen sämmtlichen Fällen das Vorwort an fast noch üblicher ist. 7. Einer Zeit, doch nur das Ziel einer Handlung in Ansehung der Zeit zu bezeichnen, mit dem Wörtchen bis, welches aber auch ausgelassen werden kann. Bis in die Nacht spielen. Dein ist die Herrlichkeit in Ewigkeit, Matth. 6, 13. Sie graben in die Nacht, Lichtw. Das haß ich in den Tod. In andern Fällen wird auch hier das Vorwort an gebraucht. Anm. 1. Da dieses Vorwort unter allen im Deutschen am häufigsten gebraucht wird, so ist es unmöglich, dasselbe durch alle seine Schattirungen und Nebenbegriffe zu verfolgen, welche sich doch insgesammt auf einen der angeführten Fälle werden zurück führen lassen. In manchen Fällen ist es gleichgültig, ob man es mit der dritten oder vierten Endung verbinde; je nachdem die Handlung in Bewegung und Richtung, oder in einem bestimmten Raume gedacht wird. Begrabet mich in mein väterliches Grab, oder in meinem väterlichen Grabe. Diese Fälle sind aber so häufig nicht, weil sich bey veränderter Wortfügung immer auch eine veränderte Nebenbedeutung mit einschleicht. Sich in die Kammer legen, und sich in der Kammer legen, sind wirklich verschieden. In der Deutschen Bibel werden die Endungen oft unrichtig gesetzet. In die Inseln verkündigen, Jer. 31, 10. In die Städte zusammen kommen, 1 Macc. 1, 61. Die Rede erscholl in das ganze Jüdische Land, Luc. 7, 17; für in dem oder in den. Anm. 2. Wenn in die dritte Endung des einfachen Zahl zu sich nimmt, wird es mit dem bestimmten Artikel des männlichen und ungewissen Geschlechtes häufig zusammen gezogen. Er ist im Hause, im Felde, für in dem Hause, in dem Felde. Zuweilen ist diese Zusammenziehung unentbehrlich, oder vielmehr, wenn das Hauptwort den bestimmten Artikel nicht vertragen würde, wird das n des Vorwortes zur Bezeichnung der dritten Endung in ein m verwandelt. Tausend Thaler im Vermögen haben. Mit sich selbst im Streite seyn. Im Ganzen verkaufen. Eben diese Zusammenziehung wird auch in der vierten Endung mit dem das geduldet. Ins Feuer werfen. Aber nicht mit andern Endungen oder Geschlechtern, wie 1. Kön. 8, 44, in Streit ziehen, für in den. Anm. 3. An, in, inne, innen, inner, ein, sind ursprünglich ein und eben dasselbe Wort, und im Deutschen lange ohne Unterschied gebraucht worden. Jetzt sind sie sehr genau verschieden. An und in werden als Vorwörter gebraucht, haben aber auch hier ihre bestimmten und angewiesenen Gränzen, S. An. Inne und innen sind noch in einigen Fällen als Nebenwörter üblich. Inner ist ein Beywort; ein hingegen wird noch in verschiedenen Zusammensetzungen anstatt des Vorwortes in gebraucht, welche die Niedersachsen noch wirklich mit dem in machen, z. B. ingeboren, indenk, Inwohner u. s. f. für eingeboren, eingedenk, Einwohner, wovon sich auch im Hochdeutschen Spuren erhalten haben; S. Inhaber, Inhalt u. s. f. Besonders gebraucht man ein mit den beziehenden Partikeln da, hin und her, wenn das Vorwort die vierte Endung erfordert, darein, hinein, herein; dagegen in unverändert bleibt, wenn es die dritte Endung erfordert, darin, hierin, worin, welche von vielen ohne Ursache darinn, darinne, darinnen, hierinn, hierinnen, worinn, worinnen, geschrieben und gesprochen werden, siehe Darin. Anm. 4. Diese unnütze Verlängerung ist noch ein Überbleibsel der alten Oberdeutschen Mundart, in welcher das Vorwort in, auch wenn es allein siehet inne, und innen lautet. Innan erda sliafan, Ottfr. in die Erde. Es komme nicht innan muat min, ebend. Innan mir, in mir, ebend. An andern Orten gebraucht er dafür anan; anan henti, in den Händen. Andere Sprachen und Mundarten haben mehr Kürze, wie das Nieders. in, das Angels. on, into, das Wallis. yn, en, das Lat. in und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Schon im Mösogothischen ist das Vorwort von dem Nebenworte unterschieden; das erste lautet bey dem Ulphilas in, das letzte aber inn, und im Schwed. heißt das Vorwort, wenn es allein stehet, i, vor Zeitwörtern aber und als ein Nebenwort in. S. auch Inne und Innen. In vielen Sprachen ist in eine verstärkende Partikel, welche eine Intension ausdruckt; wovon sich auch im Deutschen Spuren finden. Innette ist im Nieders. sehr nett, fein, sauber; im Schwed. igraen sehr grün, isur sehr sauer. S. auch Inbrunst, Ingrün, Inständig. In den Zusammensetzungen vor einem m gehet es des Wohlklanges wegen gleichfalls in diesen Mitlauter über, immaßen, immittelst; aber nicht vor dem g, S. Ingleichen. [1371-1372]
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