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Adelung - Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

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2. Die Galle

2. Die Galle, [393-394] plur. die -n, eine im gemeinen Leben übliche Benennung verschiedener Arten von Mängeln, besonders fehlerhafter Flecken, oder Stellen. 1) Ein fehlerhafter Flecken in dem Hufe der Pferde, welcher bis auf das Leben gehet, und auch die Steingalle genannt wird, zum Unterschiede von der Flußgalle; S. das vorige. 2) Flecken von dem Harze in dem Taugelholze, welche Spalten und Risse in demselben machen, werden im Forstwesen Harzgallen genannt. 3) Fehlerhafte Stellen in der Seele einer gegossenen Kanone heißen gleichfalls Gal- len. 4) Ein heller Schein am Himmel, wie der Fuß eines Regenbogens, der Sonne gegen über, welcher für ein Zeichen eines bevorstehenden Sturmes gehalten wird, führet im gemeinen Leben den Nahmen einer Windgalle; so wie 5) ein unvollkommner Regenbogen, oder ein Stück von einem Regenbogen, eine Regengalle oder Wassergalle genannt wird. 6) Die Fäulniß. So bald die Seele gesegnet hat, so sehen wir, daß das übrige gewesen sey, ein Schleim und Galle, ein Gestank und etwas das ich nicht nennen mag, Opitz. Im Nieders. heißt die Fäulniß in dem Käse die Galle. Im Westphäl. bedeutet galmen einen widrigen Geruch und Geschmack haben, wie z. B. der Knoblauch. Anm. Im Isländ. bedeutet Galle ausdrücklich einen Mangel, einen Fehler, und galen ist im Schwed. so wie gall im Dänischen, fehlerhaft, mangelhaft. Auch das Schwed. gall, unfruchtbar, gelt, scheinet hierher zu gehören. Im Engl. ist to gall die Haut verwunden. S. Gelt. [393-394]
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