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Adelung - Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

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Gähren

Gähren, [389-390] verb. irreg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert; ich gähre, du gährst (gierst), er gährt (giert); Imperf. ich gohr; Mittelwort gegohren. 1) Eigentlich, in eine innere Bewegung des öhligen Wesens gerathen, wodurch ein Körper aus seiner Mischung gesetzt wird. In dieser weitern Bedeutung kennet man drey Grade der Gährung; die geistige, wodurch ein geistiger Körper hervor gebracht wird; die saure, wodurch eine Säure gewirket wird; und endlich die faule, wodurch viel Alkali entwickelt und der Körper zerstöret wird. In engerm Verstande gebraucht man dieses Wort besonders von den beyden ersten Graden. Der Sauerteig gährt. Das Bier, der Wein hat gegohren. 2) Figürlich. Das Volk ist in einer Gährung, in einer unruhigen Bewegung. Die Sache ist noch im Gähren, ist noch in Bewegung, ist noch nicht zu ihrer Reise gediehen. Anm. Dieses Wort lautet in den Deutschen Mundarten bald gahren, göhren, gieren, gairen, gühren, bald auch mit dem Zischlaute gäsen, gißen, gäschen, gischen u. s. f. mit welchen letztern Wörtern zugleich auf den Laut gesehen wird, den ein gährender Körper gemeiniglich von sich gibt. Mit dem Zischlaute kommt es schon bey dem Willeram vor, jesen. S. Gäschen. Im Schwed. lautet es göra. Nimmt man die letzte Sylbe ren, welche ein Intensivum andeutet, weg, so kommen wir auf das Zeitwort gehen zurück, welches gleichfalls von dem Gähren, besonders des Teiges und Brotes gebraucht wird. Im Bretagnischen ist goi gähren, Go Sauerteig, und im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - sich erheben. Hieraus erhellet deutlich genug, daß gähren, nicht von gar, fertig, bereitet, abstamme, wie Frisch glaubte, sondern daß mit diesem Zeitworte auf das Gehen, d. i. auf die innere Bewegung, besonders aber auf die Bewegung in die Höhe gesehen wird, welche man bey allen gährenden Körpern wahrnimmt. Bey den Wenden bedeutet gor noch jetzt hinauf, und im Pohln. ist Gora ein Berg. In einigen Gegenden gehet dieses Wort auch im Präsenti irregulär, du gierst, er giert; dagegen es in andern auch in den übrigen Zeiten ganz regulär gemacht wird, ich gährete, gegähret. Das h hat bloß den langen Gebrauch im Hochdeutschen für sich. S. Guhr.
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