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Adelung - Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

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Der Fülleimer | Gehe zu Seite/Spalte:  | 2. Füllen

1. Füllen

1. Füllen, [347-348] verb. reg. act. machen. 1. Eigentlich. Ein Gefäß füllen. Einen Graben mit Erde füllen, ausfüllen. Die hohlen Wege mit Steinen füllen, ausfüllen. Ein Kissen mit Federn füllen. Die Säcke mit Getreide füllen, 1 Mos. 42, 25. Den Bauch füllen, Ps. 17, 14; verächtlich, für sät- tigen, satt machen; ingleichen unmäßig essen. Einen Schwamm mit Essig füllen, Matth. 27, 48.
So will ich, meinen Durst zu stillen, Den Reisesack mit solchen Früchten füllen, Gell.
In den Küchen bedeutet Füllen ausgekommene Thiere, ausgehöhlte Früchte mit gehackten Speisen voll stopfen. Gefülltes Kraut, eine gefüllte Gans. Gefüllte Blumen in den Gärten, welche vervielfältigte Blumenblätter haben; im Gegensatze der einfachen. Du sollt sie (die Söhne Aarons) salben, und ihre Hände füllen (nehmlich mit Opfern) und sie weihen, 2 Mos. 28, 41. S. Fülle 2 und Füllopfer. Ungewöhnliche Arten des Ausdruckes sind: Füllet die Erde, 1 Mos. 1, 28, verbreitet euch über dieselbe. Da kann ein Gewässer - und füllte das Land mit Wasser, 2 Kön. 3, 20, überschwemmte es. Die Kaufleute zu Zidon, die durch das Meer zogen, fülleten dich, Es. 23, 2, bereicherten dich; und andere Stellen mehr. Wohl aber gebraucht man es in der höhern Schreibart für anfüllen, ausfüllen. Die Herrlichkeit des Herrn füllete die Wohnung, 2 Mos. 40, 34. So bald der Speer der schrecklichen Minerva seine Rechte füllte, Raml.
Ein gut Gewissen füllt Die Seele stets mit Muth, Weiße.
2. Wenn sich dieses Verbum auf denjenigen Körper beziehet, mit welchem ein anderer gefüllet wird, so verlieret sich oft der Begriff der Fülle, und es bezeichnet alsdann bloß schöpfen, besonders von flüssigen Körpern. Wasser in die Flasche füllen. Drey Maß aus dem Fasse füllen. Vornehmlich, wenn solches mit einem Löffel, oder ähnlichen Gefäße geschiehet. Erz, Kohlen, Sand in einen Kübel füllen. Das Bier füllen, neu gebrauetes Bier aus dem Gährbottich in Fässer bringen. Federn in ein Küssen füllen. Daher die Füllung hernach besonders. Anm. Dieses Wort lautet in der ersten Bedeutung schon bey dem Ulphilas fulljan, bey dem Kero fullen, im Isidor fullan, im Angels. fyllan, im Nieders. vullen, im Isländ. fylla, im Engl. to fill, im Dän. fylde. Ottfried gebraucht es mit der zweyten Endung des Hauptwortes: Ni fuilit er sih uuines, für mit Wein, B. 1, Kap. 4, V. 69. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , confertus, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , anfüllen, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , viel, das Lat. plenus, und plere, das Böhm. piny, und Pohln. pilny, voll, sind genau damit verwandt. S. Voll. Sollte es in der zweyten Bedeutung, wo der Begriff des Wortes voll ganz verschwindet, nicht vielmehr ein besonderes Wort seyn, welches eher zu Vola, die flache Hand, und fühlen, leicht mit der Hand berühren, Angels. pullian, gehöret? S. Fühlen Anm. [349-350]
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