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Adelung - Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

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Die Fahne

Die Fahne, [11-12] plur. die -n, Diminut. das Fähnchen, Oberd. Fähnlein. 1. * Ein Tuch, Gewebe, eine Windel, eine Binde, in welchem Verstande Fano bey den ältern Alemannischen Schriftstellern oft vorkommt. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist es in demselben noch jetzt üblich, im Hochdeutschen aber völlig unbekannt. Doch nennt man ein schlechtes, leichtes Kleid zuweilen noch aus Verachtung ein Fähnchen. S. auch das mittlere Latein. Fano, welches von verschiedenen Arten der Meßgewänder üblich war. 2. Ein an einer Stange befestigtes fliegendes Stück Zeug, besonders dasjenige, welches manchen Zünften und Gesellschaften bey feyerlichen Gelegenheiten vorgetragen wird. In engerer Bedeutung, diejenige Fahne, welche eine Compagnie Soldaten zu Fuße auf dem Marsche vorgetragen wird, damit sie wissen, wohin sie gehören, und an welcher sie ihren Eid ablegen. Zur Fahne schwören. Die Fahne schwingen. Die Fahne wehen, stiegen lassen. Mit fliegender Fahne ausziehen. Sich von der Fahne verlaufen, von der Compagnie. Sich wieder bey der Fahne einfinden. Bey der Reiterey werden die Fahnen Standarten genannt; nur bey den Dragonern behalten sie gemeiniglich den Nahmen der Fahnen. Die Fahnen auf den Schiffen heißen Flaggen oder Wimpel. S. diese Wörter. Ehedem wurde auch eine Compagnie oder Escadron eine Fahne, oder ein Fähnlein genannt, welches noch in Pohlen üblich ist. 3. Figürlich. 1) Das bewegliche, an einer Stange befindliche Blech auf den Thürmen und Häusern, den Strich des Windes anzuzeigen; die Thurmfahne, Kirchfahne, Wetterfahne, Windfahne u. s. f. 2) An den Federn der weiche Theil zu beyden Seiten des Kieles. 3) Bey den neuern Schriftstellern des Pflanzenreiches, das große Blatt an den Schmetterlingsblumen, über den Flügeln und dem Schiffe, welches in der Mitte eine Falte hat; Vexillum L. 4) Bey den Jägern, der Schwanz des Hasens und des Eichhörnchens, so wie er bey dem Wolfe und Fuchse die Standarte heißt. 5) Bey den Schenkwirthen auf dem Lande, die mit Kreide an der Tafel angeschriebene Zeche, weil selbige durch kürzere Querstriche au einem langen perpendiculären Striche bemerket wird. Eine Fahne Bier, eine Zeche. 6) Bey den Jägern, ein kleines Garn an einer schwachen Stange, die Lerchen damit zu fangen; das Fähnchen. Anm. Dieses Wort lautet im Engl. Fane und Vane, im Dän. Fane, im Ital. Pennone. Im Schwed. ist Fana, Tuch. Lat. pannus Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , ein Gewebe. Ohne Zweifel ist Band das Stammwort von Fahne. Verdienete diese Ableitung nicht den Vorzug, so würde wehen, Wanne, ein gute Abstammung an die Hand geben. Im Angels. ist Fan und Fanne, und im Engl. Fann, ventilabrum. S. auch Panier. Im Oberdeutschen ist dieses Wort bald männlichen, bald ungewissen Geschlechtes, da es denn auch auf verschiedene Art abgeändert wird. Der Fahn, des -es, plur. die -Fähne; oder des -en, plur. die -en; der Fahnen, des -s, plur. ut nom. sing. Manigen vanen, sagt Stryker in der vierten Endung, und Haller:
Der das erhaltne Fahn mit seinem Blute mahlte.
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