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Adelung - Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

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Der Fächser

Der Fächser, [5-6] des -s, plur. ut nom. sing. überhaupt ein jeder zur Fortpflanzung bestimmter und in die Erde gepflanzter Zweig eines Gewächses. Besonders werden in dem Weinbaue die zur Fortpflanzung in die Erde gelegten Reben oder Knothölzer des Weinstockes, wenn sie zwey Jahre alt sind, Fächser, genannt, weil sie alsdann zu bekleiden und Wurzeln zu fassen anfangen. Im ersten Jahre heißen sie nur noch Gräslinge. Die Fächser sind die Viviradices bey dem Cicero, dagegen seine Sarmenta unsere Reben und Knothölzer, seine Propagines aber unsere Senker sind. In der Deutschen Bibel z. B. Es. 5, 7; Kap. 16, 8; Kap. 17, 10; Nahum 2, 3 lautet dieses Wort oft Fäser oder Feser, wo aber in einigen Stellen, dem Grundtexte zu Folge, Gesenke oder Senker verstanden werden müssen. Anm. Das alte Fahs, Vahs, welches bey dem Ottfried, Willeram und Tatian Haar bedeutet, gehöret zunächst wohl nicht hierher, S. Fase. Fächser ist von dem noch im Oberdeutschen sehr bekannten Zeitworte fächsen, bauen, durch Bearbeitung des Erdbodens hervor bringen, ingleichen einernten; Hanf, Safran fächsen, d. i. bauen, die Hanffächsung, der Hanfbau, die Fächsung, das gebauete Getreide. Dieses Zeitwort aber scheinet zu fahen, ehedem fachen, zu gehören, welches auch als ein Neutrum für gehen, bekleiben u. s. f. üblich war, und mit demselben zu dem Lat. vegetus, vegetare. Noch jetzt sagt man, das die Gewächse Wurzeln fassen. Im Böhmischen heißt Fazar der Setzling eines jeden Gewächses. [7-8]
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