Münchener DigitalisierungsZentrum - Digitale BibliothekBSB - Bayerische Staatsbibliothek

Adelung - Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

Suche

Neue ausführliche Suche

Die Bergkuh | Gehe zu Seite/Spalte:  | Beschuldigen

Beschützen

. Herr Adelung sagt: "Es ist nicht erweislich, daß beschützen eine mit Angriff verbundene Vertheidigung, beschirmen aber bloß eine Bedeckung bedeute. In den Fällen, in welchen beyde Wörter heut zu Tage gebraucht werden, ist die letztere ohne die erste nicht einmahl möglich." Dieser Meinung bin ich nicht. Mich däucht vielmehr, daß der Begriff von einer thätigen Vertheidigung besser mit beschützen, als mit beschirmen sich verbinden lasse, so wie hingegen thätige Vertheidigung mit Mehr und Waffen nicht eigentlich beschirmen kann. Wälle und Mauern können einen Platz vor den feindlichen Schüssen beschirmen; allein sie können sich vor dem Ersteigen der Feinde nicht schützen. Die Besatzung hingegen kann zwar durch Angriff und Gegenwehr den Feind vom Eindringen abhalten, und dadurch sich und den Platz beschützen, allein sie kann vor den feindlichen Schüssen nicht beschirmen. Helm, Schild und Harnisch beschirmen mich vor Hieb, Stich und Schuß; allein mein Degen kann mir nur meinen Feind durch Angriff vom Halse schaffen, und mich schützen, obgleich er mich vor Schüssen, und vor Hieben, die nebenher fallen, nicht schirmen kann. Mit einem Worte: Vertheidigung beschirmt nicht, und Beschirmung vertheidigt nicht. Beyde zusammen schützen und schirmen. [1997-1998]
Die Bergkuh | Gehe zu Seite/Spalte:  | Beschuldigen