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Adelung - Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

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Bevor ein Oberdeutsches Nebenwort

, welches im Hochdeutschen von einem sehr eingeschränkten Gebrauche ist. Es ist,1. Ein Nebenwort der Zeit und Ordnung, für ehe, oder eher. Noch ein Wort, bevor du den Ausspruch thust, Less. Ingleichen, für ehe als, als bis. Ich komme nicht, bevor du mich rufest. Ich sahe dich nicht, bevor du den Berg herunter kamest. Im Hochdeutschen kommt dieses Wort nur zuweilen in der höhern und dichterischen Schreibart vor, besonders wenn eher wegen des Sylbenmaßes unbequem wird.
Ich unterbreche dich Durch gar kein Wort, bevor du selbst wirst schweigen, Haged.
2. Des Ortes, doch nur in einer figürlichen Bedeutung und mit Dem Zeitworte stehen. In bevor stehender (nächst künftiger) Woche. Eine Krankheit steht ihm jetzt bevor, Gell. er wird eine Krankheit bekommen. Ich muß ihnen sagen, daß uns vielleicht ein kleines Glück bevor steht, ebend.
Nein etwas Großes steht Athen und mir bevor, Cron.
3. Der Ordnung allein, für zuvor, ingleichen voraus. Es einem bevor thun, es ihm zuvor thun. Einem bevor kommen, ihm zuvor kommen. Meinen Gruß bevor, eine längst veraltete Eingangsformel in Briefen. Er hat dieses vor andern bevor, zum voraus.
So habt ihr viel Vortheil bevor, Theuerd. Kap. 78. Was hat ein Fürst bevor, das einem Schäfer fehlet? Hall.
In dieser dritten Bedeutung ist es im Hochdeutschen am seltensten.Anm. Dieses Nebenwort lautet schon bey den Übersetzer Isidors und bey dem Ottfried bifora, und wird so wohl von der Zeit, als auch von dem Orte, und der Ordnung für vor gebraucht. Die Zusammensetzungen, hiebevor, hierbevor, vor diesem, ehedem, bey dem Ottfried hiar befora, bey den Schwäbischen Dichtern hiebeuor, bevorab für vornehmlich, zumahl, bevoraus, welches Opitz so wohl für zum voraus, als auch für zumahl gebraucht, sind im Hochdeutschen noch fremder, obgleich die Kanzelleyen bekannter mit ihnen sind. Beforan the, vor dir, in deiner Gegenwart, wird auch im Angels. gefunden. Für bevor stehen ist im Oberdeutschen auch vorseyn, im Hochdeutschen auch insiehen üblich. Übrigens wird dieses Adverbium mit seinem Verbo, richtiger getheilt geschrieben, als zusammen gezogen. S. die Orthographie. [961-962]
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