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Adelung - Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

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Abvieren

, verb. reg. act. ins Gevierte bringen, viereckt, würfelförmig machen, und zwar, 1) in der eigentlichen Bedeutung. Einen Stein, einen Klotz abvieren, zu einem Würfel hauen. 2) In der figürlichen, in welcher aber nur das Partic. Pass. abgeviert üblich ist, gesetzt, auf alle Fälle gefaßt, verschlagen. Ein abgevierter, d. i. gewandter, Mann, der sich in alles zu schicken weiß. Eine stolze abgeführte Dame, denn so nennen sie unsere Aufwärter, Opitz.
Die Römer wußten schon, was hier sey zu erlangen, Das abgeführte Volk hat wohl das Land durchgangen, Eben.
Anm. Abgeviert in der figürlichen Bedeutung ist am meisten in Oberdeutschland üblich. Es ist bloß der Unwissenheit zuzuschreiben, daß man es größten Theils so schreibt und spricht, als wenn es von abführen herkäme, wie schon Frisch v. Vier gezeiget hat. Vieren, gevieren und abvieren in der eigentlichen Bedeutung sind alte und bekannte Zeitwörter. Gisiarun bedeutete aber auch schon zu Ottfrieds Zeiten so viel als zubereiten, tüchtig machen, einrichten, wie aus den beym Schilter v. Fiar angeführten Beyspielen erhellet. Einige Alte wußten die wahre Abstammung schon, wie man aus einem von Frisch angeführten Beyspiele sehen kann, und das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und Lat. vir quadratus, ein weiser, standhafter, unbeweglicher Mann, haben wohl eine mehr als bloß zufällige Ähnlichkeit damit, ob sie gleich in der Bedeutung einige Verschiedenheit haben. [129-130]
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