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Adelung - Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

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Der Aberglaube

, des -ns, plur. car. 1) Derjenige Zustand [29-30] des Gemüthes, da man äußern Handlungen und Erscheinungen mehr Kraft beylegt, als ihrer eigentlichen Beschaffenheit gemäß ist. In engerer Bedeutung der Glaube an eingebildete unsichtbare wirkende Ursachen, die Neigung, natürlichen Dingen übernatürliche Kräfte beyzulegen. 2) In der höhern Schreibart, auch figürlich für abergläubige Menschen. Wie manche Scepter hat der Aberglaube nicht zerbrochen, wie viel Thronen hat er nicht umgestürzt, wie viele gütige Monarchen hat er nicht der Wuth eines aufgebrachten Pöbels Preis gegeben!
Der Aberglaube zürnt im Dunkel heiliger Wetter Und schleudert Fluch und Bann auf Denken mehr als Spötter. Dusch
Anm. Aberglaube ist ohne Zweifel nach dem Lateinischen Superstitio gebildet worden, daher Aber hier nicht so wohl after, als vielmehr über bedeutet; Overglivinghe, in einem alten geschriebenen Wörterbuche. Dieses Wort, welches neuern Ursprunges ist, war den ältern Jahrhunderten unbekannt. Der alte Übersetzer des Isidor braucht dafür Dhrugida, spätere Schriftsteller aber Apostüzlerey, Beyglaube u. s. f. Biglove ist auch noch bey den Niedersachsen üblich. [31-32]
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